Auch das noch…

Als ob nicht schon genug Subjektivität in der Welt wäre, jetzt fühlt sich auch noch der Schmelich bemüßigt, seine Sicht der Dinge in den Orkus des Neulands zu katapultieren. Ja, er fühlt sich bemüßigt, weil er immer noch wütend, immer noch laut, immer noch „ein Leben der Hoffnung wider besseren Wissens“ (James Baldwin) zu leben gedenkt. Während die Komplexität des Weltenlaufs die Schädeldecke des Denkenden vor immer neue Zerberstproben stellt, scheinen die Vereinfacher das Ruder der Meinungsbildung nach und nach zu übernehmen. Nachdenken, abwägen, querdenken – schlicht DENKEN erfreut sich in diesen Tagen der Republik nicht eben praller Konjunktur. Inspiriert von der nur mäßig beachteten Essay-Sammlung aus dem Jahre 1971 des Ernst Herhaus, der seine teils schrägen Gedanken „Notizen während der Abschaffung des Denkens“ betitelte, werde ich meine Gedanken zum Zeitenchaos, zur Politik und ihren medialen Transportwegen in einem von meiner Empörung und ihrer Beruhigung beherrschenden Rhythmus HIER UND JETZT in die Welt posaunen, ganz gleich wie laut die Posaunen zu hören sein werden und ob sich überhaupt jemand für Posaunenklänge interessiert.

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Ein Kommentar zu „Auch das noch…

  1. „Der Geist“ so schrieb Hegel in seiner Vorrede zur Phänomenologie des Geistes (1807, S.15) ist „nie in Ruhe, sondern in immer fortschreitender Bewegung begriffen“. Es „reift der sich bildende Geist langsam und stille der neuen Gestalt entgegen“. (zitiert in „Die Entwicklungsstufen des Selbst“ von Robert Kegan).
    Widerspricht das dem „DENKEN erfreut sich in diesen Tagen der Republik nicht eben praller Konjunktur“? Zum Teil, lieber Michael, schon. Robert Kegan hat sein Buch „Jean Piaget, zum Gedächtnis“ geschrieben. J. Piaget schreibt in seiner „Einführung in die genetische Erkenntnistheorie“:
    „Wissenschaftliches Denken ist nicht Sache eines Augenblicks, ist nichts Statisches, sondern ein Prozess kontinuierlicher Konstruktion und Reorganisation“.Und an anderer Stelle heißt es:“Lassen Sie mich noch ein mal wiederholen, dass wir nicht sagen können: auf der einen Seite gibt es die Geschichte des wissenschaftlichen Denkens und auf der anderen das wissenschaftliche Denken in seiner heutigen Form; es gibt nur eine kontinuierliche Transformation, eine kontinuierliche Reorganisation“: Möge Deine „mediale Konversation“ zu dieser „kontinuierlichen Transformation“ beitragen. Dabei möchte ich mich schon gern, zunächst über die Form der „Konversation“ beteiligen.

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